
Working Documents, Barcelona
Erzählungen der nicht gegenständlichen
Kultur
Ausstellung
18. November 2008 - 08. Februar 2009
La Virreina Centre de la Imatge
La Rambla 99
08002 Barcelona
Künstlerinnen der Ausstellung:
Natalie Bookchin, Marina Grzinic & Aina Smid, Emma Hedditch, Alejandra
Riera, Maria Ruido, Sandra Schäfer. Kuratorinnen des Projektes: Montse
Romaní und Virginia Villaplana.
Die Ausstellung Working Documents erforscht dokumentarische und audiovisuelle Strategien der sozialkritischen Einmischung. Filmische Methoden wie die Demontage, die Fiktionalisierung der Inszenierung, das Bild der Aneignung und die Erzählung der Postproduktion präsentieren sich als klare Symptome der postkapitalistischen Ära, in der sich das Bild-Dokument in eine Form der kritischen, offenen und – bezogen auf den sozialen Kontext – vielfältigen Lektüre verwandelt.
Die Linien, die Working Documents durchlaufen, umfassen Geschlechterpolitik/en, die Übersetzung als Vermittlung und die Problematisierung historisch-kultureller Referenten. Sie untersuchen die kontextabhängige Rezeption des dokumentarischen Bildes, betrachten Performance als symbolische Geografie und propagieren Strategien der Aneignung, die zur kollaborativen Konstruktion öffentlicher Bilder aufrufen.
Die Notwendigkeit, zu dokumentieren und Dokumente zu erzeugen, führt zu neuen Erzählungen, die in das Reale eingreifen und den vorgeblich neutralen Begriff des direkten Kinos und der direkten Aufnahme des Ereignisses überlagern.
Der Ausstellung langfristig voraus gingen regelmäßige Treffen und Diskussionen der Teilnehmer_innen von Working Documents, die u.a. auch mit verschiedenen Handlungsträger_innen aus dem gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt Barcelona zusammenkamen. Diese Prozesse haben vielfältige öffentliche Formen angenommen, darunter Filmvorführungen im Rahmen des 16. Mostra Internacional de Films de Dones de Barcelona (Internationales Frauen-Film-Festival Barcelona), Debatten im soziokulturellen Zentrum Exit und Filmscreenings mit anschließender Diskussion im CCCB (Centre de Cultura Contemporània de Barcelona). All diese Aktivitäten sowie die Erstellung eines Wikis im Internet sind zu Plattformen geworden, die die Verbreitung von Ressourcen ermöglichen und verschiedene künstlerische Strategien in ein soziales Netz einbinden und die Dokumentation im Kontext von Aktion und Repräsentation situieren.
Die Ausstellung Working Documents ist das Ergebnis des gemeinschaftlichen
Prozesses in der Gruppe. Working Documents präsentiert einen
Rundgang mit Modulstrukturen. Ein anagramatischer Aufbau setzt jede künstlerische
Intervention in Bezug zum Gesamten.
Die Videoinstallation stagings, die Sandra Schäfer im Rahmen
von Working Documents präsentiert, gliedert sich in zwei Teile:
Die Doppelprojektion to act in history nimmt den Entstehungsprozess
des Films Passing the Rainbow zum Ausgangspunkt, arrangiert das
verwendete Material neu, greift Szenen auf, die im Film nicht vorkommen,
reflektiert die Rezeption in Berlin und Kabul und fügt selten zu sehende
historische Aufnahmen aus den Archiven von Nancy Hatch Duprée und
Williams Afghan Media Project hinzu. Auf der Rückseite der Installation
befindet sich eine mobile Kinoinstallation.
Die hier gezeigten Filme wurden in Afghanistan und Iran gedreht und thematisieren
die Konstruktion von Geschlechterverhältnissen in ihren jeweiligen
gesellschaftlichen Kontexten. Die mobile Kinoinstallation kann von lokalen
Projektgruppen als Präsentations- und Diskussionsplattform genutzt
werden. Die Filme des Mobilen Kinos können außerdem ausgeliehen
werden und so in verschiedene Kontexte außerhalb des Ausstellungsraums
wandern.
ERGÄNZENDE VERANSTALTUNGEN ZUR AUSSTELLUNG "WORKING DOCUMENTS":
18. November 2008:
Die 1-stündige Performance der Künstlerin Emma Hedditch „We
are the signs and the signal“ begann in der Halle des CCCB und führte
durch das Stadtzentrum bis zum Ausstellungsort La Virreina-Centre de la
Imatge. Unterstützt von La Alternativa, Festival de Cine Independiente
de Barcelona.
19. und 20. November 2008:
Zwei Veranstaltungstage rund um die Produktionsprozesse, visuellen Strukturen
und Distributionsmöglichkeiten der dokumentarischen Produktionen, die
in Working Documents präsentiert werden. In Anwesenheit der Künstler_innen.
Januar 2009:
Präsentation des Buches Plan Rosebud: sobre imágenes, lugares
y políticas de memoria („Plan Rosebud: Über Bilder, Orte
und Erinnerungspolitik“), herausgegeben von CGAC und der Künstlerin
Maria Ruido, über ihr umfassendes Projekt der Ermittlung; außerdem
Präsentation der beiden jüngsten Filme der Künstlerin.

Sandra Schäfer to act in history, 2008

Sandra Schäfer to act in history, 2008

Sandra Schäfer Mobiles Kino: Nacir Alqas
Saya („Schatten“), 1990

Sandra Schäfer to act in history, 2008

Emma Hedditch, We are the signs and the signal,
2008

Nathalie Bookchin, trip 2008

Alejandra Riera, Dans ce monde du concret, 2008

Marina Grzinic/Aina Smid, 2008